Vortrag am 28. April 2026 von Pastoralreferent W. Rösch zum Konzil von Nizää
Am 28.4.2026 fand in Unterweissach ein interessanter Vortrag mit Pastoralreferent W. Rösch aus Schwäbisch Hall zum Thema 1700 Jahre Konzil von Nizäa statt.
In relativ kurzer Zeit hatte das Christentum im gesamten Römischen Reich, trotz mehrerer Zeiten der Verfolgung, ein starkes Wachstum zu verzeichnen. Nun gab es aber innerhalb der Gemeinden und zwischen Bischöfen theologische Kontroversen, die dringend geklärt werden mussten: Wer ist Jesus? (1Tim 2,5; Mk 12,32; Joh 10,30; Joh 1,1-3) Schon damals war das Christentum vielfältig ausgeprägt. Nun aber gibt es 2 konträre Positionen. Arius, Presbyter von Alexandria, unterstützt von Anhängern des Neuplatonismus, sieht den Sohn (Jesus) dem Vater untergeordnet und den Geist dem Sohn nachrangig. Bald gerät Arius in Konflikt mit seinem Bischof Athanasius von Alexandria. Ein weiterer Gegenspieler ist Eusebius von Nikomedia. Beide Seiten haben ungefähr ähnlich viele Anhänger, so muss der Konflikt dringend geklärt werden. Kaiser Konstantin als oberster Brückenbauer und als Pontifex Maximus, der die Oberaufsicht über alle religiösen Kulte hat, das Problem klären. So beruft Konstantin das 1. Konzil in seiner Sommerresidenz ein. Der Kaiser eröffnet selbst das Konzil und leitet die Debatten, auch wenn er sich selbst erst kurz vor seinem Tod taufen lässt.
Es kommt dann zu einer dogmatischen Lösung von oben: Jesus ist eines Wesens mit dem Vater (homousios: gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater).
Wichtig ist auch zu verstehen, dass „personare“ in der Antike hindurchtönen durch eine Maske, wie sie die Schauspieler im klassischen Theater benutzten, bedeutet; d.h. es geht bei dem Begriff Person nicht um die moderne Individualität.
Aber der Streit zog sich noch lange Zeit hin. Allein im 4.Jh. folgten noch weitere Konzilien, um das christliche Bekenntnis so zu formulieren, dass es mehrheitsfähig war. Gerade in hellenistischen Kreisen, den west- und ostgotischen Reichen, den Langobarden und Vandalen wurde von den Herrschern der Arianismus übernommen. Doch einige der Reiche gingen unter oder die Herrscher konvertierten zum Katholizismus.
Was hat das für uns heute gebracht?
Wir haben einen einheitlichen Ostertermin, nicht mehr am Pesach orientiert, damit eine Trennung vom Judentum. Wir stehen beim Hochgebet. In Jesus tritt uns kein Zwischenwesen gegenüber, sondern Gott. Der Glaube wird von oben festgelegt, der Häresie Grenzen gesetzt und die Einheit des Reichs gestärkt. Arius wird zwar verurteilt, später aber rehabilitiert.
Es schloss sich unter den zahlreichen Zuschauern noch ein reger Austausch an.
S. Musterle

